Schau mir in die Augen – Übung

Schau mir in die Augen - Übung - Die geheimen Zutaten exzellenter Reiter - Persönlichkeitsbericht

Schau mir in die Augen, Kleines

Eine Basic-Übung vom Boden, die Nähe, Aufmerksamkeit und echte Verbindung entstehen lässt.

Diese Übung wirkt auf den ersten Blick unscheinbar.
Tatsächlich ist sie eine der wichtigsten Grundlagen für feine Kommunikation.

Dein Pferd lernt hier, dass dein Blick (anfangs auf seine Hinterhand) eine klare Bedeutung hat:
Richte deine Aufmerksamkeit auf mich.

Nicht aus Zwang.
Sondern aus Verständnis.

Mit dieser Übung lädst du dein Pferd ein,

  • freiwillig bei dir zu bleiben,
  • Aufmerksamkeit zu schenken
    und
  • sich innerlich auf dich inzulassen.

Nicht, weil es muss.
Sondern weil es sich sicher fühlt.

Worum es bei dieser Übung wirklich geht

„Schau mir in die Augen“ ist keine Dominanzübung und kein Test, ob dein Pferd dich respektiert.

Es geht um Beziehung.
Um Präsenz.
Und um die Frage, ob dein Pferd innerlich bei dir ankommen kann.

Diese Übung zeigt sehr fein, wie dein Pferd Nähe wahrnimmt und wie gut es sich auch in stressigen Momenten auf dich einlassen kann.

Das Ziel dieser Übung ist nicht Blickkontakt an sich.
Das Ziel ist volle Aufmerksamkeit.

Dein Pferd soll verstehen, dass du durch das Weichen der Hinterhand seine Aufmerksamkeit einforderst
und dass diese Aufmerksamkeit endet, sobald es sich dir frontal zuwendet.

Frontal bedeutet:

  • zwei Augen auf dich gerichtet
  • der Körper gerade
  • die Hinterbeine stehen in einer Linie mit den Vorderbeinen

So entsteht für einen Moment echte Präsenz –
die Grundlage dafür, dass dein Pferd dir später auch ohne Halfter oder Seil folgt.

Wichtig zu wissen, bevor du beginnst

Diese Basic-Übungen sind die Grundlage für jede weitere Arbeit mit deinem Pferd.
Sie bauen auf dem auf, was Pferde am besten verstehen: Körpersprache.

Es geht hier nicht darum, etwas durchzusetzen oder zu testen, sondern darum, in einen klaren, ruhigen Dialog zu kommen.

🤍Dein Pferd hat keine Worte.
🤍Sein Körper ist seine Sprache.
🤍Jede Reaktion ist eine Antwort auf das, was du anbietest.

Achte deshalb weniger darauf, ob etwas „funktioniert“, sondern darauf, wie dein Pferd reagiert.

  • Was wirkt entspannend
  • was verunsichert
  • und wo entstehen Fragen

Diese Übungen bauen Vertrauen auf und vertiefen die Beziehung, wenn du bereit bist, zuzuhören und dein Vorgehen daran anzupassen.

Frage dich vor jeder Einheit:
Ist meine Absicht klar oder reagiere ich nur auf die Bewegung meines Pferdes?

Voraussetzungen für diese Übung

Für diese Übung ist es entscheidend,
dass euer „Touch and move“ bereits zuverlässig funktioniert.

Es geht nicht darum, dein Pferd zu bewegen,
sondern ihm eine verständliche Information zu geben.

Der richtige Rahmen für diese Übung

Wähle für diese Übung

  • einen ruhigen Ort
  • ohne Ablenkung
  • ohne Zeitdruck und
  • ohne Zuschauer.

Dein Pferd sollte entspannt stehen können
und nicht gleichzeitig mit anderen Reizen beschäftigt sein.

Diese Übung lebt von Ruhe.
Nicht von Wiederholung.

Diese Übung ist eine Unterhaltung

Sieh diese Übung nicht als Technik, sondern als Gespräch.

Die Hinterhand weichen lassen und gleichzeitig selbst einen Schritt zurücktreten bedeutet:
Ich möchte deine Aufmerksamkeit.
Bitte schau mich an.

Sobald dein Pferd dich mit beiden Augen anschaut
und sich frontal vor dir ausrichtet,
endet jede weitere Einwirkung sofort.

Aufmerksamkeit wird eingeladen –
nicht festgehalten.

So funktioniert „Schau mir in die Augen“

Du lässt die Hinterhand deines Pferdes weichen,
bis es sich dir frontal zuwendet.

Dabei gilt:

  • Nur die Hinterbeine kreuzen sich
  • Die Vorderbeine dürfen sich bewegen, sollten sich aber auf dich zu bewegen
  • Das Pferd soll nicht vor dir wegdriften
  • Es entsteht keine Zirkellinie

Du siehst am Ende:

  • zwei Augen
  • nur die beiden Vorderbeine
  • ein durchhängendes Führseil

Das durchhängende Seil ist ein wichtiger Teil der Übung.
Deine Verantwortung ist es, das Seil locker zu lassen.
Die Verantwortung deines Pferdes ist es, dafür zu sorgen, dass es locker bleibt.

Wenn dein Pferd dich verstanden hat

Hat dein Pferd verstanden, dass du über das Weichen der Hinterhand seine Aufmerksamkeit einforderst, kannst du beginnen, das Ziel zu erweitern.

Ein mögliches nächstes Ziel ist:
Die Nase – und damit die Augen – folgen dir.

Wendet sich dein Pferd mit seinem Kopf (oder ganzen Körper)  von dir ab,
bewegst du die Hinterhand so lange,
bis Nase und Blick wieder zu dir zeigen.

Sobald dein Pferd reagiert und wieder „gerade“ vor die steht (dir also seine Aufmerksamkeit schenkt), 
gibst du ihm eine Pause.

So überprüfst du, ob dein Pferd die innere Absicht verstanden hat

Du kannst die Übung in verschiedenen Schwierigkeitsstufen ausführen:

Stufe 1
Du stehst frontal vor deinem Pferd,
mit mindestens einem Meter Abstand
und trittst leicht zur Seite, deren Hinterhand weichen soll.

Stufe 2
Du stehst mit mindestens zwei Metern Abstand
auf Höhe der Schultern deines Pferdes.

Stufe 3
Du stehst mit mindestens zwei Metern Abstand
auf Höhe der Hinterhand.

Stufe 4
Du stehst mit mindestens zwei Metern Abstand
hinter deinem Pferd.

Je höher die Stufe,
desto leichter fällt es dem Pferd,
dich zu verlassen und seine Aufmerksamkeit woanders hinzulenken.

Wenn dein Pferd nicht ganz bei dir ist

Dreht sich dein Pferd zu dir, ist aber nicht zu hundert Prozent mit beiden Augen und dem Körper auf dich ausgerichtet, korrigierst du ruhig weiter.

Du lässt die Hinterhand weichen 
und stoppst gegebenenfalls die Schulter,
bis dein Pferd gerade vor dir steht.

Erst dann endet die Einwirkung (Unterhaltung).
Du lobst es.
Und gibst eine Pause.

Deine Körperhaltung ist Teil der Information

Bei dieser Übung spielt deine eigene Körperhaltung eine zentrale Rolle.
Nicht als Technik, sondern als Teil deiner Kommunikation.

Richte dich innerlich und äußerlich auf, wenn du dein Pferd aufforderst,
sich zu bewegen oder seine Aufmerksamkeit zu dir zu richten.

Sobald dein Pferd verstanden hat, was du von ihm möchtest
und sich dir frontal zuwendet, lässt du sichtbar los.

Entspanne

  • deine Schultern,
  • deine Arme,
  • deinen Oberkörper
    und
  • deine Hüfte.

Diese klare Unterscheidung zwischen

  • aktiver Körperhaltung und
  • entspannter Körperhaltung

hilft deinem Pferd enorm, deine Absicht zu verstehen.

Tipp
Gerade zu Beginn kann es sinnvoll sein,
die eigene Körpersprache etwas übertriebener (deutlicher) einzusetzen,
um wirklich klar zu sein.

Mit wachsender Erfahrung wird deine Kommunikation feiner.
Leiser. Und von außen kaum noch sichtbar.

 

Leise beginnen, bewusst steigern

Beginne bei jeder Aufforderung immer leise.
Mit kleinen, ruhigen Bewegungen und wenig Energie.

Erst wenn dein Pferd nicht reagiert,
wirst du Schritt für Schritt deutlicher.

  • Größere Bewegungen
  • mehr Präsenz
  • mehr Energie

Nicht abrupt,
sondern stufenweise.

So lernt dein Pferd,
dass es sich lohnt, auf feine Signale zu achten.

Dein inneres Bild trägt die Übung

Deine innere Haltung ist genauso wichtig wie deine äußere Körpersprache.

Das innere Bild sollte sein,
dass dein Pferd mit dir verbunden ist.

Nicht wie durch ein einzelnes Gummiband,
das reißt, wenn es zu stark gedehnt wird.

Sondern wie durch ein dickes Bungee-Seil,
das aus vielen einzelnen Gummibändern besteht.

Durch jede Übung stärkst du dieses Bungee-Seil.
Je klarer, ruhiger und verständlicher deine Kommunikation wird,
desto tragfähiger wird diese Verbindung.

Ein starkes Bungee-Seil hat eine besondere Eigenschaft:
Je weiter es gedehnt wird,
desto kraftvoller findet es wieder zurück.

Genau diese Qualität wünschen wir uns auch von unserem Pferd.

Je weiter es sich von uns entfernt,
desto klarer und schneller sollte es auf ein Signal reagieren
und wieder zu uns finden.

Diese innere Verbindung ist die Grundlage dafür, dass dein Pferd später

  • auch ohne Seil
  • auch ohne Equipment

bei dir bleibt und dir folgt.
„Schau mir in die Augen“ ist dafür ein entscheidender Baustein.

Worauf du in den Pausen achten solltest

Pausen sind Teil der Übung.

Achte darauf, ob dein Pferd anzeichen zeigt, dass es das Gelernte verarbeitet oder entspannt.
Mögliche Zeichen können sein:

  • Kauen
  • leises Schnauben
  • hörbares Ausatmen
  • Absenken des Halses
  • leichtes schütteln des Kopfes, usw.

Warte diese Momente ab!
Sie zeigen, dass dein Pferd das Erlernte verarbeitet und sich entspannt.

Tipp

Zu Beginn solltest du dein Pferd am Führseil haben, so dass du es jederzeit daran hindern kannst,
dich zu verlassen.

Später kannst du die Übung auch durchführen, während das Seil über dem Hals liegt. Und noch etwas später, ohne Halfter.

Wichtig ist nicht das Equipment, sondern eure Unterhaltung und dass du die volle Aufmerksamkeit deine Pferdes erhältst, wenn du danach fragst.

Falls sich dein Pferd von dir wegbewegen möchte, kürze ggf. das Seil leicht und lass sofort wieder die Hinterhand weichen, bis es dich wieder frontal anschaut.

Achte darauf, dass du nicht immer nur auf einer Seite die Hinterhand weichen lässt!

TIPP: lasse immer die Hinterhand weichen, wo der Pferdehals nicht hingebogen ist.

Beispiel: Steht dein Pferd vor dir und schaut mit Kopf und Hals nach rechts (es ist also aus seiner Sicht nach links gebogen), so gehst du einen Schritt nach links (dein links) und lässt die Hinterhand nach rechts (dein rechts) weichen.

Pferd links gebogen Mensch davor - Die geheimen Zutaten exzellenter Reiter

Pferde unterscheiden sich stark darin, wie schnell sie Aufmerksamkeit bündeln und wie leicht sie sich ablenken lassen.

Im Persönlichkeitsbericht findest du Hinweise darauf,

  • wie dein Pferd auf Aufmerksamkeitsanforderungen reagiert
  • wie viel Nähe und Distanz es braucht
  • und wie du diese Übung so gestalten kannst, dass sie verständlich bleibt

So kannst du gezielt fördern,
statt immer wieder zu korrigieren.

Eine stille, aber zentrale Grundlage

„Schau mir in die Augen“ ist eine leise Übung.
Aber sie legt den Grundstein für

  • feines Folgen,
  • klare Kommunikation
    und
  • echte Verbindung

auch ohne Hilfsmittel.

Weitere Basic-Übungen

Die hier beschriebenen Basics sind Teil einer gemeinsamen Sprache zwischen dir und deinem Pferd.
Einzelne Bausteine, aus denen

  • Vertrauen,
  • Klarheit und
  • echte Kommunikation entstehen.

Schau dich gern in den weiteren Übungen um und nimm dir Zeit, sie wirklich zu erleben.

Bei Unklarheiten und Fragen nutze bitte das Kontaktformular oder wende dich bitte an eine erfahrene Trainerin deines Vertrauens. 

Der Krebs

Fördert Körpergefühl, Koordination und innere Ruhe, indem dein Pferd lernt, sich bewusst seitlich zu bewegen und dabei mental bei dir zu bleiben.
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