Stick Signal – Übung

Stick Signal - Die geheimen Zutaten exzellenter Reiter

Stick Signal

Anhalten ohne Zügeldruck

Eine Reitübung für klare, leise Kommunikation – besonders hilfreich bei energiegeladenen Pferden

Übung

Diese Übung hilft dir, dein Pferd zuverlässig zu verlangsamen oder anzuhalten, ohne starke Zügeleinwirkung.

Manche Pferde reagieren fein auf Sitz und Stimme.
Andere brauchen ein zusätzliches, klares Signal, um wirklich zu verstehen, was gemeint ist.

Das Stick Signal ist genau dafür gedacht:
als unterstützende Information zum Anhalten oder Verlangsamen – ohne die Zügel stärker einzusetzen.

✅ Das Stick Signal ist ein schönes Hilfsmittel dafür, um die Kommunikation über die Zügel feiner, leiser und spezifischer werden lassen zu können.

Sitz- und Stimmhilfen haben eine natürliche Grenze.

Wenn dein Pferd langsamer werden soll, kannst du dich nicht unendlich schwerer werden.
Und auch deine Stimme kannst du nicht beliebig steigern. Denn sein Pferd anzuschreien, wenn man es anhalten möchte, ist womöglich nicht die zielführendeste Idee.

Zügeleinwirkung wiederum sollte nicht dazu dienen, Tempo dauerhaft zu regulieren.
Sie ist ein Werkzeug zur Verfeinerung – kein Lenker oder Bremspedal.

Das Stick Signal schafft hier eine zusätzliche Ebene:

  • klar,
  • dosierbar und
  • unabhängig vom Zügel.

Ziel dieser Übung ist es, deinem Pferd ein eindeutiges Signal zu vermitteln, das es mit Verlangsamen oder Anhalten verbindet – zusätzlich zu Sitz und Stimme.

Natürlich benutzt man in Notsituationen auch die Zügel zum Stoppen, aber in regulären Situationen ist es von Vorteil, das Pferd langsamer machen zu können, ohne die Kommunikation über die Zügel bzw. das Gebiss negativ zu belasten. Denn die Zügel, insbesondere das Gebiss, sollten ein Werkzeug zur Verfeinerung sein. Verfeinerung bedeutet, dass es etwas braucht, das schon vorher gut funktioniert und es sich mit diesem Werkzeug (z.B. dem Gebiss) noch besser anfühlt und man noch „leisere“ von außen kaum sichtbare Signale durch das Gebiss geben kann.

3 Schritte zum Stick Signal

1. Etappe: Ein Signal zum Anhalten installieren, zusätzlich zu der Stimme und dem Sitz.

2. Etappe: Das Anhalten oder langsamer werden in allen Gangarten, ohne Zügeleinwirkung.

Weit entferntes Endziel könnte das Halsringreiten sein.

Du reitest dein Pferd anfangs im Schritt in Anlehnung.

→ (Achtung: Anlehnung bedeutet laut der FN lediglich: „eine stete, weich federnde Verbindung zwischen Pferdemaul und Reiterhand“.

Der Kopf/Hals soll an keiner bestimmten Stelle sein. Es besteht lediglich ein Kontakt zwischen Reiterhand und Pferdemaul/Kopf.) Höre hierzu vertiefend die SeePferdchen Podcast-Folge #22 + #32

  • Du beginnst diese Übung im Schritt.
  • Wenn du dein Pferd anhalten möchtest und es auf deinen Sitz und deine Stimme nicht reagiert, so tippe gleichzeitig mit dem Zügelsignal zum Anhalten, dein Pferd mit dem Stick an der Schulter an.
  • Deine innere Intention sollte am besten so etwas sein wie: „Hallo, liebes Pferd, ich meine dich mit meiner Information.“

Tipp: Dieses übt man anfangs am besten, wenn die Bande eine Außenbegrenzung darstellt und man den Stick an der inneren Schulter anlegt. So verringert man das Missverständnis, dass das Pferd denken könnte, dass es seine Schulter verschieben soll. 

❗Anfangs lobst du das bloße Anhalten, auch wenn du noch verhältnismäßig stark mit dem Zügel einwirken musste oder den Stick recht laut eingesetzt hat.

Wichtig ist allerdings, dass du recht schnell dazu wechselst, dass wenn du „laut“ anhalten musstest (mit starken Hilfen und Stick), deinem Pferd nur innerlich für das Anhalten dankst, drei bis vier Schritte entspannt vorwärts reitest und sofort wieder mit „leiseren“ Informationen (Hilfen) anhältst.

Elementar: Dieses erfolgreiche Anhalten lobst du dann überschwänglich. Denn das ferne End-Ziel soll ja sein, dass dein Pferd auf den Sitz hin anhält und nicht immer ein Anticken mit dem Stick an der Schulter benötigt.

Sobald du meinst, dass dein Pferd das Signal an der Schulter verstanden hat, reitest du die Übung mit durchhängenden Zügeln.

So überprüfst du ehrlich, ob dein Pferd auf das Stick Signal reagiert  oder ob du unbewusst weiterhin über die Zügel hilfst.

► Für diese Übung empfehle ich einen kurzen Stick oder eine kurze Springgerte, da diese ruhiger in der Hand liegt und weniger unbeabsichtigte Bewegungen macht. Beim Einsatz einer normalen Gerte sollte man sehr stark darauf achten, keine Schmerzen beim Pferd auszulösen (denn längere Gerten „schwingen“ und können dadurch „zwiebeln“.)

Reagiert dein Pferd im Schritt zuverlässig auf das Stick Signal, kannst du das Signal auch in der nächsthöheren Gangart nutzen.

Tipp: Beginne grundsätzlich mit deiner Gewichtshilfe und beobachte achtsam, ob dein Pferd daraufhin langsamer wird.
 ➜ Erst wenn nötig, ergänzt du das Stick Signal.

❗Vergiss dabei nie zu loben – Klarheit entsteht durch Verständnis, nicht durch Wiederholung ohne Rückmeldung.

Die Gewichts- und Stimmhilfe haben eine sehr begrenzte Verstärkungsmöglichkeit. Wenn ich mein Pferd langsamer werden lassen möchte, so ist es nicht hilfreich, wenn ich es immer lauter anschreie. Auch kann ich mich selbst nicht immer schwerer machen und versuchen, die Bewegung mit meinem Körpergewicht (ohne Einwirkung der Arme) zu verlangsamen.

Mit der Zügelhilfe kann man hingegen sehr viel Kontrolle und auch Schmerz auslösen. Diese feine Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul (aka Anlehnung) möchten wir aber nicht belasten oder gar stören, indem wir mit Kraft einwirken.

☝️ Im Notfall ist das natürlich wichtig, aber es sollte kein Normalzustand sein.

Das Antippen an der Schulter hat eine sehr gute Verstärkungsmöglichkeit, im Gegensatz zur Gewichts- und Stimmhilfe . Sollte das Pferd z.B. im Gelände mental abgelenkt sein, so kann man recht laut mit dem Stick-Signal an der Schulter werden und man hat ggf. sogar noch zusätzlich die Zügel als letzte Verstärkung, um sein Pferd dazu aufzufordern, langsamer zu werden. Das antrainierte Stick Signal ist ein schönes Hilfsmittel dafür, um die Kommunikation über die Zügel feiner, leiser und spezifischer werden lassen zu können.

  • Manche Pferde nehmen dieses Signal sofort an.
  • Andere brauchen mehr Wiederholung
  • oder reagieren gar nicht 
  • oder reagieren sehr sensibel darauf.

Wie gut ein Pferd auf solche Signale anspricht, hängt stark von seiner Persönlichkeit und seinem Ausbildungszustand ab.

Wenn du besser einschätzen möchtest, wie dein Pferd lernt, verarbeitet und reagiert, findest du hier weiterführende Unterstützung.

Podcast Folgen #03 „Kennst du die Mutter aller Hilfen?“, #08 „Wie Pferde lernen zu lernen“, #26 „Diese drei Regler solltest du kennen“

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